„Diese Wirtschaft tötet“

Papst Franziskus fasste mit seinem Satz „Diese Wirtschaft tötet“ drastisch das zusammen, was Päpste vor ihm und kirchliche Sozial-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen seit langem beklagen. Sie prangern eine Wirtschaft an, die das Geld zum Mammon erhoben hat und soziale Spaltung, menschliches Elend, Umweltzerstörung und gewaltsame Auseinandersetzungen in Kauf nimmt. Alles ganz weit weg, könnte man meinen, wenn man in Deutschland relativ gut situiert sein Leben verbringt. Doch was Papst Franziskus auch beklagt, ist eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ und eine „Kultur des Wohlstands“, die betäubt. Nur weil viele sich nicht interessieren, wird sich auch nichts ändern. Kirchliche Sozial-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen setzen hier einen Kontrapunkt. Sie hinterfragen kritisch und drängen immer wieder zur Veränderung, unter ihnen die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). Dieses Thema profitiert von ihrer analytischen Arbeit und lädt dazu ein, mit ihnen die nötigen Veränderungen anzugehen.

Der Mensch ist eben nicht ein homo oeconomicus. Ständig seine Vor- und Nachteile zu kalkulieren ist ein mühsames Geschäft, das die Menschen von ihren schönsten Begabungen ablenkt, nämlich der Fähigkeit zur Liebe und Gerechtigkeit.
Norbert Blüm, Bundesarbeitsminister a. D.

Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ sagen. Diese Wirtschaft tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht.
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 2013

Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die anderen ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt. Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert, uns um sie zu kümmern, als sei all das eine uns fern liegende Verantwortung, die uns nichts angeht. Die Kultur des Wohlstands betäubt uns, […]
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 2013

Einer der Gründe dieser Situation liegt in der Beziehung, die wir zum Geld hergestellt haben, denn friedlich akzeptieren wir seine Vorherrschaft über uns und über unsere Gesellschaften. Die Finanzkrise, die wir durchmachen, lässt uns vergessen, dass an ihrem Ursprung eine tiefe anthropologische Krise steht: die Leugnung des Vorrangs des Menschen!
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 2013

Die Gier nach Macht und Besitz kennt keine Grenzen. In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergöttlichten Marktes, die zur absoluten Regel werden.
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 2013

Das Geld muss dienen und nicht regieren! Der Papst liebt alle, Reiche und Arme, doch im Namen Christi hat er die Pflicht daran zu erinnern, dass die Reichen den Armen helfen, sie achten und fördern müssen. Ich ermahne euch zur uneigennützigen Solidarität und zu einer Rückkehr von Wirtschaft und Finanzleben zu einer Ethik zugunsten des Menschen.
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 2013

Leider pflegen viele Anstrengungen, konkrete Lösungen für die Umweltkrise zu suchen, vergeblich zu sein, nicht allein wegen der Ablehnung der Machthaber, sondern auch wegen der Interessenlosigkeit der anderen. Die Haltungen, welche – selbst unter den Gläubigen – die Lösungswege blockieren, reichen von der Leugnung des Problems bis zur Gleichgültigkeit, zur bequemen Resignation oder zum blinden Vertrauen auf die technischen Lösungen. Wir brauchen eine neue universale Solidarität.
Papst Franziskus, Enzyklika Laudato si, 2015

Seit unserer Erschaffung sind wir zur Arbeit berufen. Man darf nicht danach trachten, dass der technologische Fortschritt immer mehr die menschliche Arbeit verdränge, womit die Menschheit sich selbst schädigen würde. Die Arbeit ist eine Notwendigkeit, sie ist Teil des Sinns des Lebens auf dieser Erde, Weg der Reifung, der menschlichen Entwicklung und der persönlichen Verwirklichung. Den Armen mit Geld zu helfen muss in diesem Sinn immer eine provisorische Lösung sein, um den Dringlichkeiten abzuhelfen. Das große Ziel muss immer sein, ihnen mittels Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen. Die Ausrichtung der Wirtschaft hat jedoch eine Art technologischen Fortschritts begünstigt, die darauf abzielt, die Produktionskosten infolge der Verringerung der Arbeitsplätze, die durch Maschinen ersetzt werden, zu senken. Es ist eine weitere Weise, wie das Handeln des Menschen sich gegen ihn selbst wenden kann.
Papst Franziskus, Enzyklika Laudato si, 2015

Wir müssen uns stärker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Es gibt keine politischen oder sozialen Grenzen und Barrieren, die uns erlauben, uns zu isolieren, und aus ebendiesem Grund auch keinen Raum für die Globalisierung der Gleichgültigkeit.
Papst Franziskus, Enzyklika Laudato si, 2015

Die Soziallehre der Kirche hat immer bekräftigt, dass die Gerechtigkeit alle Phasen der Wirtschaftstätigkeit betrifft, da diese stets mit dem Menschen und mit seinen Bedürfnissen zu tun hat. […] Vielleicht war es früher denkbar, der Wirtschaft die Schaffung des Reichtums anzuvertrauen, um dann der Politik die Aufgabe zu übertragen, diesen zu verteilen. Heute erscheint das schwieriger, da die wirtschaftlichen Tätigkeiten nicht an territoriale Grenzen gebunden sind, während die Autorität der Regierungen weiter vorwiegend örtlich beschränkt ist.
Papst Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 2009

Heute, wo unsere Existenzgrundlagen verloren gehen, wo wir die Vegetation so sehr vergewaltigt haben mit Hilfe von Experten, die noch immer straffrei sind, wo wir in die größte Krise kommen, die die Menschheit je gehabt hat, wo wir vorfabrizierte Dinge annehmen, sterile Architektur und giftiges Essen, ohne zu revoltieren, weil Geist und Körper sich scheinbar an diese Gifte gewöhnt haben, ist es von eminenter Bedeutung für uns alle, dass es Menschen gibt, die anders denken und anders handeln und anders leben.
Friedensreich Hundertwasser, 1988

(Text: Papst Franziskus u.a. / Bild: Marc Urhausen in pfarrbriefservice.de)

Bisher keine Kommentare.

Eine Antwort schreiben

Error. Page cannot be displayed. Please contact your service provider for more details. (2)